Sonntag, 13. Mai 2012

Erziehung

"Das "Time Magazine" spaltet mit Ihrem Titelbild die USA. Es zeigt eine Mutter, die ihrem Sohn die Brust gibt und entfacht einen "Glaubenskrieg" um die richtige Erziehung.

Ein Foto hat eine hitzige Diskussion in den Vereinigten Staaten ausgelöst: Es zeigt die 26-jährige Jamie Lynne Grumet, die ihren fast vierjährigen Sohn Aram stillt, und das Bild ziert die neueste Ausgabe des Magazins "Time". "Are you Mom enough?", lautet die Frage dazu: "Bist du mütterlich genug?"

"Provokant" und "empörend" sei das Bild, heißt es in unzähligen Kommentaren, Internet-Foren und Blogs. In den USA ist selbst das Stillen von Babys in der Öffentlichkeit stigmatisiert.
Doch es gibt auch Zuspruch für Jamie Grumet und das von ihr praktizierte "Attachment Parenting", der "berührungsorientierten Elternschaft". Die Theorie dahinter wurde in den 50er Jahren entwickelt und 1993 durch den Bestseller "The Baby-Book" des Kinderarztes William Sears popularisiert.

Die Bindung zwischen Eltern und Kind, so die Idee, soll so eng wie möglich sein: durch eine Geburt möglichst zu Hause, durch das Tragen des Babys in einem Wickel eng am Körper, durch das Schlafen des Kindes im Bett der Eltern, und eben durch das anhaltende Stillen an der Mutterbrust bis zu einem Alter, in dem sich ein Kind selbst entwöhnt.

Dass sie gleichzeitig Attachment Parenting und das lange Stillen der Kinder befürwortet, begründet Grumet im "Time"-Interview so: "Ich glaube, dass historische Ereignisse und der übersexualisierte Blick in westlichen Gesellschaften auf den Körper uns ängstlich gegenüber dem Bruststillen gemacht haben." Ihre eigene Mutter habe sie gelehrt, "sich niemals wegen des Stillens zu schämen. Es ist normal und natürlich."
Und es ist zudem gesund, argumentieren auch Verteidiger des Titelfotos. Die Vereinigung der US-Kinderärzte empfiehlt Bruststillen für mindestens ein Jahr, die Weltgesundheitsorganisation mindestens zwei Jahre. Nicht nur die Bindung werde dadurch enger, sondern auch das Immunsystem des Kindes stärker.

Doch drei von vier Müttern geben an, ihr Kind nur "für einige Tage oder Wochen" gestillt zu haben. Das öffentliche Stigma ist ein Grund dafür, die Berufstätigkeit der meisten Frauen ein weiterer.
An diesem Sonntag, dem Muttertag, werden Babynahrungs-Produzenten wieder Geschenkpakete mit Muttermilch-Ersatz in die Entbindungsstationen der Krankenhäuser des Landes liefern. Für Mütter ist diese Form der Ernährung ihres Kindes auf jeden Fall der bequemere Weg. Ob sie damit "Mom enough" sind, bleibt eine Streitfrage."

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